Bannerblindheit – ist native Werbung die Lösung?

Bannerblindheit ist kein Märchen, es ist ein Fakt, den nur wenige Webmaster begreifen wollen. Die einzige Heilung: native Werbung? Welche Folgen hat Bannerblindheit und was können wir effektiv dagegen tun?

Bannerblindheit
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Ich verfolge die Entwicklung meiner Webseiten regelmäßig, denn es ist wichtig, dass man mögliche Probleme schnell erkennt und rechtzeitig eine Lösung entwickelt. Was mir am meisten Angst macht, ist die voranschreitende Bannerblindheit.

Diese Krankheit, ausgelöst durch zu aggressive Werbemaßnahmen der Werbeindustrie und den Internetnutzer geradezu „zwingt“, Werbung zu ignorieren, nimmt immer stärkere Ausmaße an.

Diese Krankheit ist der Krebs der Werbeindustrie, die sie sich selbst zuzuschreiben hat!

Und die verzweifelten Versuche, Video-Werbung per „Autostart“ den Usern aufzuzwingen, oder mit schrillenden und nervenden Pop-Ups, die User beinahe zu Tode zu erschrecken, verschlimmert die Lage nur noch mehr.

Man muss die Wurzel des Problems erkennen, wenn man eine wirksame Lösung entwickeln will.

Ich betreibe viele Nischenseiten, die meisten von ihnen bestehen aus viel Textinhalt und haben nur sehr, sehr wenig Werbung. Auf diesen teste ich häufige neue Werbemittel, schließlich möchte man aus einer Website die maximalen Einnahmen herausholen.

Meine Tests sprechen eine deutliche Sprache:

Niemanden interessieren Banner-Ads, schon gar nicht in der Sidebar

Ich bin seit Jahren im Internet-Marketing tätig und immer, wenn ich auf der Suche nach Werbepartnern war, habe ich die Sidebar-Werbung möglichst gemieden, denn für mich ist dieser Platz eine Art Abstellraum einer Website.

Ganz ehrlich, was haben die meisten Webseiten in ihrer Sidebar?

Alles, was man dem Besucher nicht vor die Nase reiben will und gleichzeitig der sichtbare Bereich auf der Webseite zu schade für etwas ist, wird in der Sidebar abgestellt.

Ja, die Sidebar ist ein Abstellraum.

Diese ist randvoll mit Links, Werbebannern und Tonnen an weiteren Sachen, die allesamt nach der Aufmerksamkeit des Nutzers schreien, diese aber nicht kriegen, egal wie gut sie es versuchen.

Sobald ich auf meinen Nischenseiten Bannerwerbung in die Sidebar packe, „tracke“ ich über einen Zeitraum die Klicks auf diese Banner.

Das Ergebnis? Sieht verdammt schlecht aus.

Mittlerweile habe ich genügend Zahlen ausgewertet, um zu sagen, dass Werbung in der Sidebar nicht gerade der „ideale“ Platz für Werbung ist, auch wenn man die Bannerblindheit komplett außen vor lassen würde.

Folgendes konnte ich bisher herausfinden:

Wenn von 50 Besuchern nur einer, JA, nur ein einziger Besucher auf ein Banner in der Sidebar klickt, kann man schon froh sein und vor Freude hüpfen.

Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass man mittlerweile ca. 100 Besucher und mehr, frisch von Google geliefert, auf einer Nischenseite benötigt, damit ein Bannerklick in der Sidebar zustande kommt.

Noch beunruhigender ist, dass diese Banner eine fixe Position haben und somit auch beim Scrollen der Seite sichtbar sind. Die Banner sind also immer sichtbar in der Sidebar für den Besucher.

Ist das normal? Keinesfalls!

Dieses Phänomen konnte ich bei mehreren Websites von mir beobachten. Das Thema der Website und damit die „Zielgruppe“ spielen natürlich dabei auch eine Rolle, wie stark die Bannerwerbung ignoriert wird.

Halten wir fest: die Bannerblindheit gibt es wirklich – und diese verschlimmert sich Jahr für Jahr.

Bannerblindheit ist bereits heute präsenter denn je!

Sogar Facebook hat mittlerweile erkannt, dass immer mehr Nutzer die Werbung ignorieren und feilt Insidern zufolge bereits fleißig an neuen Werbeformaten.

Facebook wird wohl wissen, wann die Lage brenzlich wird, oder? Es geht schließlich um Milliarden an Werbeeinnahmen.

Es bringt nichts, sich einzureden, dass alles wieder gut wird. Nein, wird es nicht! Immer mehr Webseiten werden sterben, weil immer mehr Nutzer die Bannerwerbung und generell die Online-Werbung ignorieren.

Wer heute über die Bannerblindheit schmunzelt, wird irgendwann seine User mit einer geladenen Pistole an der Schläfe zum Klick auf ein Banner „zwingen“ müssen, um zumindest die Webhosting-Kosten zu decken.

Doch so weit sollte man es nicht kommen lassen, schließlich sind gerade wir, die Webmaster, sehr kreativ beim Finden von Lösungen für Probleme, nicht wahr?

Ich fixe es selber!
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Es gibt bereits zahlreiche Studien, die belegen, dass eine Website heiße Werbeplätze hat und kalte. Die heißen Plätze sind immer dort, wo der Besucher die Werbung direkt sieht.

Die besten dieser Plätze findet man direkt im Inhalt der Seite.

Will man also einen User auf die Werbung aufmerksam machen, muss diese in den sichtbaren Bereich der Webseite rein, doch damit ist das Problem mit der Bannerblindheit höchstens nur verbessert, jedoch nicht gelöst.

Fakt ist: Du kannst einem Besucher noch so viele Banner ins Gesicht werfen, haften wird kaum eines von ihnen.

Auch bringt es nichts, die Banner „sexy“ zu machen. Je aggressiver man die Banner macht, desto aggressiver wird der interne Werbefilter des Internetnutzers diese Banner ausfiltern.

Das ist das gleiche Prinzip wie bei den heutigen Spam-Filtern für E-Mails. Je ausgefallener und aggressiver die Spammer werden, desto aggressiver werden auch die Filter.

Es ist schon so schlimm mit den E-Mail-Filtern geworden, dass eine E-Mail-Grußkarte nicht mehr im E-Mail-Postfach von Tante Elsa ankommt, weil die E-Mail auf dem Weg, in einem Spamfilter hängen bleibt.

Diese Problematik kann man direkt auf die Internetwerbung übertragen.

Die Internetwerbung verliert ebenso wie die Radio- und Fernsehwerbung an Wirksamkeit und dem kann man nur entgegenwirken, indem man neue Werbeformate entwickelt oder die Werbung kreativer/anders macht.

Die Bannerwerbung ist also tot?

Ja, aber wir wissen mittlerweile, dass auch Tote, lebendig sein können. Es gibt sogar eine ganze Filmindustrie, die davon sehr gut lebt.

Schaue ich mir meine Klick-Statistiken auf Banner an und errechne die Klickrate mit einem Taschenrechner, um wirklich sicher zu gehen, dass ich mich nicht verrechne, ist die Klickrate auf die Banner eine sehr beunruhigende Zahl.

Liegt es vielleicht an meinen Webseiten?

Ich denke nicht, denn wir reden hier von Webseiten mit Artikeln, die teilweise weit mehr als 1000 Wörter an Umfang haben, die Texte sauber formatiert sind und auch das Design schlicht und modern ist.

Wenn diese Webseiten, die sich alle in Nischenmärkten bewegen, solche schlechten Klickraten haben, wie sieht das Ganze in breiten Märkten aus und bei den großen Magazinen im Web?

Ich habe bereits Angst, alleine darüber nachzudenken.

Kein Wunder, dass immer mehr Werbenetzwerke versuchen Views, anstatt Klicks zu verkaufen. Was willst du denn sonst machen, wenn niemand die Banner sieht und somit auch keine Bannerklicks „verkauft“ werden können?

Oder denkst du, dass die Banner bei Google besser funktionieren? Absolut nicht!

Schalte eine Kampagne bei Google AdWords und dann kannst du mir in einigen Monaten deine Statistiken zeigen, sobald du 1000 Klicks mit einer Bannerkampagne generiert hast.

Deine CTR würde mich wirklich interessieren. (Klicks im Verhältnis zu den Einblendungen).

Es kommt noch besser ...

Google selber gibt an, nur eine 0.06 % CTR zu haben. Das bedeutet, dass mit 10.000 Einblendungen gerade mal 6 Klicks zustande kommen.

Quelle: Display Benchmarks Tool

Da bin ich mit meinen Bannern bei einer CTR von ca. 0.50 – 1 % ja noch gut im Rennen!

Das interessante ist, dass mehrere Statistiken belegen, dass ca. 50 % aller Bannerklicks „zufällig“ oder „aus Versehen“ erfolgen.

Und haben wir da nicht noch das Problem mit den Bots? Diese spazieren gemütlich durch Webseiten, klicken auch auf Werbung und richten jährlich Schäden in Milliardenhöhe an.

Vom Klickbetrug bei der Werbung ganz zu schweigen.

Und dann haben wir da noch das „kleine Problemchen“ mit den Ad-Blockern, die unter anderem bekannte Bannerformate wie 468x60, 125x125 etc. blocken.

Ungefähr 20 % (manche Quellen gehen sogar von über 30 % aus) aller Internetnutzer (Stand 2018) haben einen Ad-Blocker installiert – und diese Zahl wird wachsen.

Und wie effektiv ist Bannerwerbung jetzt?

Denkst du, bei den Facebook-Ads ist die Wiese grüner als bei Google?

Dann muss ich dich leider enttäuschen. Das gleiche Spiel wie bei Google. Du brauchst Tonnen an Views, um auch nur eine Handvoll von Klicks zu erzeugen, von denen die Hälfte womöglich sowieso ganz „zufällig“ oder „aus Versehen“ zustande kommen.

Und wenn weder Google noch Facebook für die Bannerblindheit und allgemein für die zunähende Ineffektivität der Online-Werbung eine Abhilfe finden können, wer kann es dann? Ein Webmaster oder Blogger?

Bannerwerbung ist tot und Internet-Werbung wird zunehmend schwierig.

Wenn man sich die Zahlen und Fakten zu der Bannerwerbung anschaut, dann muss man schon ein ahnungsloses Schäfchen sein, um Bannerwerbung zu buchen oder diese in die eigene Website einzubinden.

Und ich möchte wirklich niemanden beleidigen. Es ist nur die Wahrheit, die schmerzt.

Da sitzen Webmaster und Blogger, investieren täglich ihre Lebenszeit für das Kreieren von interessantem oder nützlichem „Content“ und verdienen mit dieser harten Arbeit zunehmend immer weniger Geld.

Es ist unwahrscheinlich, dass wir gegen die Bannerblindheit etwas tun können, wenn wir nicht wirklich kreativ werden und unsere Werbung zu einem Safari-Erlebnis für den User machen.

Die Frage ist:

Was können wir „wirklich“ tun, um unseren Website-Besuchern die Werbung so zu zeigen, dass sie diese nicht ignorieren „können“?

Lösung: „native Advertisement“ oder native Werbung, die sich von dem Inhalt des umliegenden Textes nicht unterscheiden lässt.

Native Werbung, eine mögliche Lösung für Bannerblindheit?

Ich zitiere einmal Wikipedia, was native Werbung ist:

Native Advertising (zu Deutsch „Werbung im bekannten Umfeld“) ist eine Form von Werbung im Internet und in Printmedien, die durch das Anbieten von Inhalten so gestaltet ist, dass sie nur schwer von redaktionellen Artikeln zu unterscheiden ist und die Aufmerksamkeit der Nutzer durch Tarnung auf sich zieht. — Wikipedia.org

Das heißt: die Werbung ist so geschickt im Artikel eingebettet, dass der Internetnutzer geradezu denkt, dass die Werbung Teil des Artikels ist.

Jetzt stellen sich mir zwei Fragen:

  1. Muss man Werbung nicht eindeutig als solche kennzeichnen?
  2. Ist es fair, dem User und dem Werbetreibenden gegenüber, wenn man Werbung absichtlich „versteckt“ oder unkenntlich macht?

Der erste Punkt ist eindeutig.

Macht man Werbung in seinem Artikel auf der Webseite, muss man diese mit dem Begriff „Werbung“ oder „Anzeige“ kennzeichnen, damit der User eindeutig sehen kann, dass es sich um Werbung handelt.

Auch Affiliate-Links müssen als Werbung gekennzeichnet werden, das ist aber eine andere Geschichte.

Der zweite Punkt wird irrelevant, denn wenn man eine Werbung als solche kennzeichnet, ist es keine versteckte Werbung mehr, oder?

Somit haben wird auch hier wieder das gleiche Problem, wie bei den Bannern:

  1. Der User sieht, dass es Werbung ist.
  2. Der innere Werbefilter schaltet sich ein.
  3. Der User ignoriert die Werbung effektiv und konsumiert den „Inhalt“.

Was kann man noch tun? Hmm...

Was würde ich tun?

Nehmen wir an, ich habe einen Artikel. Es ist ein Produkt-Testbericht, der sich mit einem Produkt befasst, sagen wir einmal, wir haben eine Zahnbürste getestet und schreiben dazu einen „ehrlichen“ Testbericht.

Weiter nehmen wir an, dass man die Zahnbürste bei Amazon kaufen kann und wir einen Affiliate-Link sauber in den Text einbringen wollen, damit der Besucher auf den Affiliate-Link klickt und die Zahnbürste bei Amazon bestellt.

Okay, wir haben einen Plan, wie sieht die Umsetzung aus?

Bitteschön:

Seitdem ich meine Zähne mit %Produkt% putze, fragen mich meine Arbeitskollegen, wieso meine Zähne so schön weiß sind und strahlen. Wenn auch Sie Ihre Arbeitskollegen und Freunde mit strahlend weißen Zähnen überraschen wollen, dann können Sie %Produkt% bei Amazon bestellen*, das ist die beste Zahnbürste, die ich jemals hatte. — Beispiel für native Werbung

Ich würde an den Affiliate-Link ein Sternchen dranhängen und irgendwo auf der Webseite erklären, dass alle Links mit einem Sternchen gekennzeichnet Affiliate-Links sind, um sicher zu gehen, dass ich die Kennzeichnungspflichtig für Werbung erfülle.

Was haben wir bei dem Beispiel mit der Zahnbürste oben gemacht, um den Leser dazu zu bringen, auf den Affiliate-Link zu „klicken“?

Wir haben unsere Werbetexter-Fähigkeiten aus der Schublade herausgekramt, die in all den Jahren bereits etwas angerostet sind, während wir mit Banner-Werbung, leichtes Geld verdient haben.

Doch Bannerwerbung ist jetzt tot, wie wir leider erfahren haben, also müssen wir uns wieder der alten Kunst des Werbetextens widmen, um mit nativer Werbung auf der Webseite, Geld zu verdienen.

Wo ist die Magie bei dem Beispiel mit der Zahnbürste?

  1. Zunächst haben wir dem Leser vorgeführt, welches positive Ergebnis er erwarten kann, wenn er seine Zähne mit der empfohlenen Zahnbürste putzt (strahlend weiße Zähne.).
  2. Danach haben wir ihm erklärt, wo er die Zahnbürste kaufen kann und ihn zu einem Klick auf den Affiliate-Link bewegt, um seinen Weg zum Ziel zu verkürzen.

Easy zwei Steps für leichtes Affiliate-Geld!

Das ist die Zukunft für native Werbung. Die Werbung schön in den Text einbauen, diese leicht kennzeichnen und den Besucher dazu bringen, das Produkt haben zu „wollen“.

Gute Werbetexter sind nicht ohne Grund steinreich. Diese könnten in der Eiszeit Kühlschränke verkaufen, so gut sind sie.

Während die Werbeindustrie die nächsten Werbeflops für teures Geld entwickelt, können wir, die kleinen Webmaster und Blogger, anfangen, kreative Werbung direkt in unsere Artikel einzubauen.

Uns interessiert es nicht, wie Facebook, Google und alle anderen Werbenetzwerke das Problem mit der Bannerblindheit in der Griff bekommen wollen. Diese werden dabei sehr wahrscheinlich sowieso scheitern.

In Zukunft gehören den kreativen Affiliates und Produktanbietern die Gelder der Kunden.

Fazit

Ich möchte dir jetzt wirklich keine Angst machen. Aber wenn du 6 Banner in der Größe 125x125 Pixel in der Sidebar hast und einen Dummen findest, der noch Banner-Werbung in deiner Sidebar bucht, hast du viel Glück.

Du solltest diesem Werbekunden besser keinen Link zu diesem Artikel geben, das wäre schlecht für das Geschäft.

Banner Werbung ist tot, zu diesem Fakt sind wir in diesem Artikel gekommen. Da bringt es nichts, noch mehr Banner in die Website zu quetschen, das wird die Bannerblindheit nur noch weiter verschlimmern.

Die einzige Lösung stellt die native Werbung dar.

Bei meinen Websites benutze ich bereits jetzt kaum Banner. In Zukunft werde ich mich immer mehr auf native Werbeanzeigen konzentrieren, weil diese wenigstens funktionieren und für Klicks sorgen.

Wenn etwas nicht funktioniert, müssen wir nach neuen Wegen suchen, das ist der einzig richtige Weg für neue, innovative Lösungen. Und die gesamte Werbeindustrie kann solche Lösungen – vor allem jetzt – ganz sicher gut gebrauchen.

Vitali Lutz

Über Vitali Lutz

Vitali Lutz ist seit 2007 Internet-Marketer aus Leidenschaft. Hätte der Tag 25 Stunden, würde er eine Stunde mehr pro Tag für Nischenseiten und Marketing investieren. In seiner Freizeit beschäftigt er sich gerne mit Programmierung, Technik, Fitness und ist ein Naturfreund.

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